Dein inneres Kind und wie du wieder ganz werden kannst

Das erste Mal begegnete ich meinem inneren Kind bewusst in Guatemala, in einer Zeremonie mit dem Kakaoschamanen. Es war der Beginn meiner Ganzwerdung.

In den folgenden Jahren traf ich mein inneres Kind und andere verborgene Anteile von mir häufig. Ich konnte erkennen, dass viele der Gefühle die in mir auftauchten, von dem inneren Teil in mir kamen, der sich abgetrennt hatte: Weil er nicht gefühlt und nicht sein durfte.

Wir durften nicht wir selbst sein, mit all unseren Anteilen, wir lernten von klein auf die „dunklen“ Anteile von uns zu unterdrücken, wegzuschieben. Wut, Traurigkeit, Sensibilität waren nicht erwünscht. Funktionieren, erfolgreich sein, uns anzupassen, das war gefordert.

Wir lernten nicht, mit Emotionen umzugehen. Und so unterdrückten wir irgendwann so viel, dass wir unser Inneres gar nicht mehr wahrnehmen konnten. Wir wussten nicht mehr, wer wir wirklich sind.

Wenn wir wieder ganz werden wollen, alle Anteile wieder zu einem Ganzen zusammenfügen und erfahren möchten, wer wir wirklich sind, müssen wir beginnen uns unserem Inneren zuzuwenden. Wir müssen einfach nur Ja sagen zu uns und zu unserer Welt, denn diese bringt alles in uns hervor, was ganz werden möchte. Es ist so einfach der Außenwelt die „Schuld“ zu geben, doch letztendlich passiert alles im Außen nur FÜR uns, um uns zu zeigen, was in uns heil werden möchte. Wenn ein Gefühl in uns – ausgelöst durch etwas in unserem Außen – auftaucht, vor allem dann, wenn es häufiger hochkommt, ist es Zeit uns nach Innen zu wenden und zu schauen: Welcher Teil in mir meldet sich da?

Wenn wir einfach nur dem Gefühl folgen – es nicht mehr ablehnen, es nicht mehr loswerden wollen, sondern es annehmen – als einen Teil von uns – dann können wir diesen Teil wieder integrieren und ein Stück mehr ganz werden.

Dieser Weg der Ganzwerdung geht immer weiter und wenn wir mitgehen, offen bleiben für uns und unsere auftauchenden Gefühle, zeigt sich unser Weg nach Innen von ganz alleine. Bei mir gerade vor ein paar Tagen…..

Der Tag begann so schön: Lange schlafen, schmusen mit all meinen Kindern, wunderbare Gefühle, Liebe und Wohlfühlen – ein perfekter Sonntag.

Mein Kinder gingen nach draußen spielen und irgendwann kam mein Großer ganz traurig nach Hause. Sein bester Freund sprach nicht mehr mit ihm, genauso wie alle anderen Jungs, mit denen er sonst spielte. Das war nicht das erste Mal das ihm das passierte. Mein Sohn stand zu sich selbst und seinen Gefühlen und wenn er etwas nicht wollte, machte er es auch nicht. Das hatte die anderen verärgert und nun hatten sie sich gegen ihn zusammengeschlossen um ihn zu „bestrafen“.

Sofort spürte ich eine starke Wut in mir: Wut auf die anderen Jungs. Wie konnten sie ihn so mobben? Wie konnten, die, die täglich bei uns ein und aus gingen sich so verhalten und meinen Sohn – der einfach nur zu sich selber steht – so behandeln? Nur weil er er selber war?

Mein erster Impuls war zu den Jungs rüber zu laufen und sie zur Rede zu stellen. Doch gleichzeitig hörte ich meine innere Stimme: Alicia, es hat mit dir zu tun, diese Situation, deine Wut spiegelt dir etwas und möchte dir etwas zeigen.

Also folgte ich der Wut. Ich zog mich zurück und spürte die Wut in mir. Ich tauchte in sie hinab. Immer tiefer. Je tiefer ich tauchte, desto klarer wurde mir, dass die Wut von meinem inneren Kind kam. Die Wut nicht anerkannt zu werden.

Die Wut darüber nicht so sein zu dürfen, wie ich bin. Mich anpassen zu müssen, damit man mich mag. Es war eine rebellische Wut, mein inneres Kind wollte sich nicht anpassen. Sie wollte so sein, wie sie wirklich ist. Ihr wahres Selbst zeigen ohne dafür verurteilt zu werden.

Ich fühlte die Wut bis auf den Grund und nahm mein inneres Kind in den Arm. Ich ließ sie wütend sein und ich ließ sie traurig sein. Je mehr ich sie annahm, mit all ihrer Wut, desto mehr verebbte diese. Denn nehme ich die auftauchenden Gefühle an – völlig – nehme ich auch mich selbst an – jeden Teil in mir.

Die Wut verwandelte sich in ein Gefühl von Frieden, Verbundenheit und Dankbarkeit. Ein Teil durfte wieder ganz werden.

Ja, es ist nicht immer einfach, das Außen als ein Spiegel zu erkennen, der mir mein Inneres aufzeigt. Es ist so viel einfacher – oder gewohnter – dem Außen, der Situation oder dem Gegenüber die Schuld zu geben, zu schimpfen, zu lästern und so Dampf abzulassen. Aber das hilft uns nicht und immer wieder stehen wir vor ähnlichen Situationen, denn der Teil in uns verlangt nach Aufmerksamkeit.

Der Widerstand diesen Teil in uns anzuschauen, kann manchmal sehr groß sein. Wir haben gelernt, diese Teile in uns ruhigzustellen. Doch immer wieder zeigen sie sich – so lange bis wir hinschauen und fühlen.

Oftmals haben wir sogar eine unsichtbare, innere Mauer um den Schmerz in uns gebaut – so dass wir ihn gar nicht mehr wahrnehmen können.

Doch jetzt ist die Zeit gekommen dieses Mauern zu durchbrechen, uns wieder zu fühlen und anzunehmen – mit allem was ist. Hab keine Angst mehr vor dir selbst.

Alles Liebe,

deine Alicia.