Von Mut, Ängsten und dem Folgen des inneren Rufes

Nach 4 Jahren Europa sind wir zurück nach Zentralamerika gezogen und beginnen wieder „neu“.

Seit wir 2006 Deutschland verlassen haben, ist so viel passiert. Viele Länder, viele Freunde, viele Erlebnisse.

Das Land was mich am meisten berührte und veränderte war Guatemala. Ein Land, eine Energie, die mich in meine tiefsten Tiefen führte. An meine verstecktesten Schmerzen und Blockaden. Aber auch an mein Inneres. Ich traf auf meine inneres Feuer, das sich entfalten durfte. Aus dem Schmerz heraus entfaltete sich meine Lebensaufgabe und ich würde von den Mayaältesten zur Ajq´ij – Schamanin – geweiht.

Dann nach 5 Jahren kam die Zeit Guatemala zu verlassen uns erneut auf den Weg zu machen: Zuerst in die Slowakei, dann in die Berge der Kanarischen Inseln und dann nach Nordspanien.

Wir gingen zurück in die „normale“ Welt. Ich wusste nicht, wie ich nach all den Jahren mit dieser ganz anderen Energie zurecht kommen würde. In Guatemala fühlte ich mich eingebettet in eine sanfte Energie, doch wie würde es in Europa werden?

Mein Mann begann wieder in einer Führungsposition zu arbeiten, d. h. es war kaum noch Zeit für gemeinsame Feuerzeremonien.

Aber ich lernte:

Alles ist genauso wie es sein soll, alles was passiert, passiert für mich, damit ich wachsen und mich entfalten kann.

Ich hatte mich in unseren Feuerzeremonien immer mehr auf sein Gefühl als auf meines verlassen. Ich vertraute seinem Gefühl mehr, als meinem eigenen. Dass mein Mann wieder begann zu arbeiten half mir, noch mehr in meine Kraft zu kommen und der Feuergöttin in mir zu vertrauen. Dem Feuer zu vertrauen, dass es mich führt.

Dann zogen wir in ein sehr konservatives Nordspanisches Dorf. Bis zum Schluss (nach 2 Jahren) blieben die meisten Menschen sehr verschlossen uns gegenüber. Ja, wir sind „anders“; 6 Kinder, die nicht zur Schule gehen, ständige Feuerzeremonien im Garten, Besuche von anderen Homeschoolfamilien, usw. Überall sonst hatten wir viele Freunde gefunden. Dieses Mal nicht:).

Ja, dieser Ort brachte mich manchmal an meine Grenzen. Ich fühlte mich nicht Zuhause. Und wollte am liebsten schnellst möglich wieder weg. Dochgenaudiese Situation half mir, in den Widerstand zu tauchen, ihn anzunehmen und noch einen Schritt weiter zu gehen. Hätte ich, wie in all den Ländern zuvor schnell Freunde und Gleichgesinnte gefunden und begonnen Frauenkreise und Zeremonien zu halten, hätte ich keine Zeit gehabt um das zu entfalten, was anscheinend aus mir heraus wollte: Der Womb Power und der Hara meets Womb Power Kongress.

Die Zeit in Nordspanien lehrte mich erneut. Alles, aber auch alles, passiert aus einem Grund. Wir können uns wehren, dagegen kämpfen und Widerstand haben, oder mitgehen. Auf unser Inneres hören und diesem folgen.

Ja, das erfordert oft Mut. Unser Ego versucht zu verhindern, dass wir unserem Inneren folgen.

Das Gewohnte scheint so leicht und einfach. Und unsere Ängste und Einwände sind so stark.

Schon seit über einem Jahr hieß es immer wieder, dass wir nach Mexiko gehen würden, doch immer wieder stand Wichtiges in der Firma meines Mannes an, so dass es verschoben wurde.

Und als wir dann Ende April hörten, dass das Projekt Mexiko tatsächlich beginnt und wir in weniger als 4 Wochen umziehen würden, blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken:).

Ich war so beschäftigt damit, alles vorzubereiten, unser „letztes“ Onlineseminar aus Europa zu veranstalten, noch einmal an die heiligen Plätze Nordspaniens zu fahren und zu packen. Dann waren plötzlich nur noch 3 Tage bis zu unserem Umzug – und die Angst kam hoch….

War das wirklich die richtige Entscheidung? Wäre es nicht viel einfacher zu bleiben wo wir sind? Was wenn das Geschäft in Mexiko nicht laufen würde? Was wenn wir uns nicht wohl fühlen werden ? Ein Neuanfang? Puh, so viel Neues….. Ist das Alte nicht doch besser?

Gedanken über Gedanken. Ja, das Ego schaltete sich ein, verursachte mit seinen Gedanken Angst in mir. Und das, obwohl ich schon so oft in meinem Leben meinem Inneren gefolgt war – entgegen aller Einwände und Ängste.

Ich beobachtete diese Gedanken. Konnte ich überhaupt eine „falsche“ Entscheidung treffen?

Nein, denn immer wieder in meinem Leben hatte ich erlebt, dass es keine falsche Entscheidung gibt. Alles, besonders das scheinbar Falsche, ist genau das was wir brauchen, um weiter zu uns selbst zu finden.

Doch trotz allem, kamen die Gedanken der Angst.

Aber ich brauchte sie ja nicht mehr glauben:). Ich schaute sie einfach an und ließ sie sein.

Dann ging es los. Alles lief reibungslos und um 04.00 morgens Mexikanischer Zeit kamen wir in Mexiko City an. Wir wurden vom Flughafen abgeholt und in unser neues Zuhause in Cholula gefahren.

Die nächsten Tage waren wir wieder so beschäftigt mit einrichten und einräumen, das wenig Zeit blieb, die ersten Eindrücke in uns aufzunehmen. Am 3. Tag nahmen wir uns dann die Zeit und fuhren in die Stadt zu einem veganen Festival und danach auf den örtlichen Markt. Oh wie hatte ich die Herzlichkeit der Zentralamerikaner vermisst! Jeder lächelt, ist freundlich, man kommt schnell ins Gespräch.

Am Montag ging ich dann mit meinen Kindern in die Pyramide von Cholula – die größte Pyramide der Welt.

Und ich erfuhr über die Legende des Aztekenkriegers Popo und seiner geliebten Aztekenprinzessin Itza, die ich gerne mit euch teilen möchte:

Einer aztekischen Sage zufolge lebten früher ein Häuptling und seine Frau in Tenochtitlan. Der Häuptling war ein berühmter Eroberer, der von allen Azteken geliebt wurde. Er und seine Frau waren besorgt, dass sie kein Kind mehr bekommen würden. Doch eines Tages gebar die Ehefrau ein Mädchen, das so schön war wie seine Mutter. Das Mädchen wurde „Iztaccíhuatl“ genannt, was auf Náhuatl „Weiße Dame“ bedeutet.

Alle Ureinwohner liebten Iztaccíhuatl und ihre Eltern. Das Mädchen wurde darauf vorbereitet, eines Tages die Rolle ihres Vaters als Anführerin zu übernehmen. Als Iztaccíhuatl älter wurde, verliebte sie sich in den Anführer eines anderen Stammes, Popocatépetl.

Eines Tages brach ein Krieg aus und die Kämpfer mussten mit ihren Truppen in den Süden ziehen, um den Feind zu besiegen.

Der Häuptling erzählte Popocatépetl, dass er seine Tochter heiraten könne, wenn er ihm den Kopf des Feindes bringe. Popocatépetl zog in den Krieg, Iztaccíhuatl blieb zurück.

Nach mehreren Monaten kehrte ein Krieger zurück, der Popocatépetl hasste. Er überbrachte die falsche Nachricht, dass seine Armee gewonnen hätte, aber Popocatépetl gefallen wäre. Der Häuptling war traurig, als er das hörte, aber Iztaccíhuatl konnte nicht aufhören, zu weinen. Sie verließ das Haus nicht mehr, aß und trank nichts, sodass sie nach wenigen Tagen an ihrem Kummer starb.

Als der Häuptling die Beerdigung seiner Tochter vorbereitete, kehrte Popocatépetl mit seinen Truppen erfolgreich aus dem Krieg zurück. Popocatépetl sah seine tote Geliebte und verfiel in Trauer. Er trug Iztaccíhuatl in seinen Armen aus der Stadt heraus einen weiten Weg bis zu einem Berg. Dort befahl er seinen Kriegern, ein Grabmal zu errichten, und legte seine Geliebte behutsam hinauf. Dann kniete er sich neben sie und blieb bei ihr, bis auch er an seinem Kummer starb.

Die Götter waren berührt von Popocatépetls Opfer. Sie verwandelten das Grabmal und die beiden Verstorbenen in einen Berg und einen Vulkan. Der Berg, der nach Iztaccíhuatl benannt wurde, sieht aus wie eine schlafende Frau.

Der Name „Popocatépetl“ bedeutet auf Náhuatl „Rauchender Berg“, da aus dem Vulkan ab und zu Rauch aufsteigt. Damit zeigt Popocatépetl, dass er immer über Iztaccíhuatl wacht, die an seiner Seite schläft.

Jeden Morgen, wenn ich erwache, ist der Popocatépetl in das Licht des Sonnenaufgangs gehüllt und ich sehe ihn von meinem Schlafzimmerfenster aus. Ein magischer Berg, eine magische Geschichte.

Heute sind wir eine Woche in Mexiko. Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird, wie lange wir bleiben, aber ich weiß, dass ich immer nur in diesem einen Moment bin und sein werde. Ich weiß, dass ich immer wieder meinem Inneren folgen werde und dass auch immer wieder Ängste und Gedanken hochkommen. Doch trotz dieser siegt immer der Mut und das Vertrauen, dass alles gut ist.

Es ist die Zeit mutig zu sein, die Ängste loszulassen und unserem Inneren zu folgen.

Alles Liebe,

Alicia.