Ich nehme Abschied

Heute möchte ich mit dir etwas Persönliches teilen. Am Dienstag verstarb mein Vater. Er war erst 66 Jahre alt. 
Ich habe von den Maya gelernt: Der Tod gehört zum Leben, er ist kein Grund zum Trauern, sondern zur Freude. Wir gehen von dieser Welt in die Welt der Ahnen hinüber. Es ist eine Transformation – genau wie auch die Geburt.

Bereits im März hatte Papa eine Herzklappenentzündung und wir hatten uns intensiv mit seinem möglichen Tod auseinandergesetzt.  Und ja: Wir als Familie hatten alle Widerstand gegen seinen Tod und wollten alles versuchen, damit er bleibt. Heute spüre ich: Seine Seele wollte damals schon gehen, doch er blieb noch für uns. Er wurde wieder gesund und verbrachte noch fast 3 schöne Monate mit meiner Mutter, meinen Geschwistern, seinen Enkelkindern.  
Mama sagte mir gestern: „Wir sagten uns jeden Abend „Gute Nacht“ und „Ich habe dich lieb!“ – Es war als wollte ich unbedingt, dass er das weiß, in mir spürte ich vielleicht schon, dass er bald geht“. 

Ich habe ihn nicht mehr gesehen, aber noch viel mit ihm telefoniert. Bis zum Schluss stand er mir immer mit seinem Rat zur Seite.  Er war ein weiser und intelligenter Mann. Am Samstag erzählte Mama, Papa wollte unbedingt zur Goldenen Hochzeit seines Cousins – es wäre das letzte Mal, dass er seine Verwandten sehen würde.  Und so war es auch.

Mama sagte, er hätte sich so toll unterhalten. Dann auf dem Rückweg passierte es. Er sackte plötzlich am Steuer zusammen – Schlaganfall. Er kam sofort ins Krankenhaus und zunächst gab es eine Verbesserung. Er zeigte dann am Montag auf alle Geräte und sagte  „Nein“. Am Abend bekam meine Mutter dann spät den Anruf, dass Papa eine schwere Hirnblutung erlitten hatte und nicht mehr alleine atmen konnte. Sie und wir Kinder entschieden, ihn gehen zu lassen. So wurden dann am Dienstag die Geräte abgebaut und er ging innerhalb von 10 Minuten in Anwesenheit meiner Mutter und Schwester sanft hinüber.  Ich machte mit meiner Familie Zeremonien für meinen Vater und durch das Feuer sagte er sehr klar, dass alles gut ist und dass seine Seele gehen möchte. Er schenkte uns die letzten Wochen, um uns, besonders Mama, den Schmerz zu erleichtern.  Und das schaffte er auch. Wir alle sind in der Hingabe, wir alle wissen, er wollte es so. Wir fühlen Trauer, aber auch Freude und Dankbarkeit.  Mein Vater war ein wunderbarer Mann.  Er war der Versorger und Beschützer unserer Familie. Auch wenn er nicht immer verstand, welche Wege ich ging, so unterstütze er mich immer.  

Und ja, ich hatte meine Themen mit ihm. Und war deshalb auch sehr wütend auf ihn. Doch in Guatemala durfte ich all diese Themen aufarbeiten und erkennen, dass sie nur in mir liegen. Und sie so lösen. Seitdem hatten wir eine herzliche und innige Beziehung und ich bin dankbar, dass er mein Vater war und ist.  Seitdem Papa gegangen ist, habe ich ihn schon so oft bei mir gespürt.  Gerade gestern, als ich in meinem Garten saß und Traurigkeit spürte, erschien ein Regenbogen vor mir – ein riesiger Regenbogen, der sich über dem ganzen Horizont erstreckte. Ich fühlte: Ein Zeichen von Papa. Er strahlt für uns. Er ist glücklich und frei und möchte, dass es uns gut geht. Der Regenbogen blieb dort bis die Sonne unterging, für fast 2 Stunden! 

Doch das ist nicht alles. Robert hatte ein großes Problem auf der Arbeit. Und oftmals rief ich bei solchen Dingen meinen Vater an. Er war selbst, bis zu seiner Rente, Geschäftsmann und hatte immer wunderbare, weise Ratschläge. Ich sprach mit Papa und bat ihn auf Seelenebene um seinen Rat. Und etwas Wunderbares geschah: das Problem begann sich zu lösen. Damit zeigte er mir, dass er immer noch da ist, dass er mir mit seiner Ahnenkraft immer noch an der Seite steht. Wir haben oft Angst vor Tod. Doch was ich mit Papas Tod und auch schon dem meines Großvater lernte ist, dass es den Tod nicht gibt. Es gibt den Übergang in die geistige Welt. Doch dort hören uns unsere Ahnen immer noch und wirken mit ihrer Kraft. Bei allen Urvölkern wurden die Ahnen geehrt.

Hier in Mexiko gibt es immer noch den Tag der Toten. An diesem Tag wird für die Toten gefeiert, gesungen und getanzt. Man bereitet ihnen ihre Lieblingsspeisen und stellt einen Altar für sie auf.  Es ist ein schönes, fröhliches Fest.  Verändere mit mir die Angst vor dem Tod in Freude und Dankbarkeit! Vielleicht gibt es jemanden, der in deinem Leben verstarb, was du noch nicht verarbeitet hast? Schreibe dieser Seele einen Brief oder nimm ein Video auf. Sag was du sagen möchtest und vielleicht nie getan hast.  Entzünde eine Kerze für deine Ahnen.  

Alles Liebe,

Alicia