Schwesternschaft und Konkurrenz

Wir Frauen wünschen uns alle Schwesternschaft. Doch wir wuchsen in Konkurrenz auf. Schon als Kinder kämpften wir um die Liebe unserer Eltern und unsere Schwestern waren sehr oft unsere Konkurrentinnen um diese Liebe.
Immer sehnten wir uns nach dieser Schwesternschaft tief in unserem Inneren, nach dieser tiefen Verbundenheit, die nur unter uns Frauen möglich ist. Wir haben Momente mit unseren besten Freundinnen, mit unseren Schwestern, in denen wir diese Verbundenheit fühlen. Und doch kommen auch immer wieder zwischen uns und diese Verbundenheit Gefühle des Neids, Gefühle des „sie ist viel besser als ich“ oder auch „Ach ich kann das viel besser als sie“. Gefühle der Minderwertigkeit wechseln sich ab mit Gefühlen der Überlegenheit.
Und da wir uns ja alle Schwesternschaft wünschen, schämen wir uns für diese Gefühle, verurteilen uns selber – und schon kommt wieder das Gefühl der Minderwertigkeit.
Wir wünschen uns so viel, wir möchten gerne immer Liebe und Verbundenheit und Freude fühlen – doch so ist es nicht! Wir sind in dieser Welt der Polarität aufgewachsen, wir wuchsen in einer Welt heran, geprägt von Konkurrenz und vom Verstand.
Wir sollten sehr nachsichtig mit uns selbst sein! Und anstatt uns zu verurteilen schauen: Warum fühle ich mich minderwertig? Was genau löst meine Freundin / diese Frau jetzt in mir aus? Wie fühlt sich dieses Gefühl an?
Versuche einmal tief in diese Minderwertigkeit hinein zu tauchen, sie völlig wahrzunehmen. Warum hast du Angst, dass sie „besser“ ist? Ganz tief in uns vergraben steckt immer noch die Angst des kleinen Mädchens: „Sie haben sie lieber als mich!“
Die tiefe Angst in uns, nicht geliebt zu werden. Diese tiefe Angst trieb uns dazu an, immer die „besten“ sein zu wollen, immer lieb und nett zu sein, anderen alles Recht zu machen, immer freundlich zu sein, die Wut zu unterdrücken, nicht „Nein“ zu sagen, obwohl wir das „Nein“ fühlten.
Doch jetzt ist die Zeit das alles loszulassen. Wir können jetzt alle unsere Seiten leben, wir selbst sein, mit all unserem Schmerz, unserer Wut, unserem Nicht-perfekt-sein! Und auch mit all unseren Gefühlen der Minderwertigkeit. Anstatt uns dafür zu verurteilen, ist jetzt der Zeitpunkt, uns dieser Minderwertigkeit zuzuwenden. Sie tief zu spüren und zu fragen: Woher kommst du? Warum fühlst du dich minderwertig? Und dieser Stimme, der Stimme des inneren Mädchens, zu lauschen, warum sie sich nicht geliebt fühlt. Wenn wir die Minderwertigkeit annehmen, ihr unsere Aufmerksamkeit schenken, in sie hinein atmen, sie einfach wahrnehmen und spüren – anstatt uns dafür zu verurteilen und sie abzulehnen – können wir sie heilen.
Jetzt in diesem Moment können wir uns selbst diese Liebe schenken. Uns selbst umarmen, die Liebe in unserem Herzen und in unserem Schoß fühlen und fließen lassen, die Gefühle der Minderwertigkeit spüren und sagen: Alles ist in Ordnung! Ich liebe dich, du bist wundervoll wie du bist.
Spüre die Liebe zu dir selbst, die Liebe die du bist. Fülle deine Schoßraum und dein Herz mit dieser Liebe. Nur wenn wir uns selbst lieben, ist wahre Schwesternschaft möglich. Wenn wir uns selbst bewusst sind, wie wundervoll und liebenswert wir sind, wenn wir uns selbst umarmen, mit all unserem Schmerz, unseren Schwächen und Talenten, dann kann diese Liebe auch zu allen anderen fließen.
Eure Alicia.