Warum wir alle schon mal sexuell missbraucht worden sind und wie wir unsere Wunden heilen können

Ich habe vor ein paar Tagen einen Artikel aus der Guatemaltekischen Zeitung zugesendet bekommen.

Er handelt von einer 26-jährigen Frau, Shana, die von ihrem 8. Bis 13. Lebensjahr von ihrem Lehrer und Freund der Familie sexuell missbraucht wurde. Sie brach ihr Schweigen. Meine eigene Tochter hat das ausgelöst.

Es begann 2012. Wir lebten in Guatemala. Waren noch in unserem eigenen Schmerz, ich schwanger mit dem 5. Kind und Köchin für unser veganes Restaurant und meine Kinder lernten Zuhause. Da freute ich mich, als eine Bekannte Angelina zum Malunterricht einlud. Die beiden Mädchen einer Freundin gingen auch hin. Meine Tochter hatte Spaß, bekam dann aber Konflikte mit einem der Mädchen, so bot Raul, der „Freund“ der Bekannten, ein Lehrer und bekannter, angesehener Musiker in der Stadt an, Angelina Einzelunterricht zu geben. Sie hatte Lust dazu und so willigten wir ein. Er war sehr nett, bot dann auch an, ihr und einer Freundin Matheunterricht bei uns zu Zuhause zu geben. Er hatte die Vision, dass Kinder in kurzer Zeit auf spielerische Art Mathe lernen können. Ich war begeistert und stimmte zu. Nach dem Matheunterricht gab er auch noch Musikunterricht.

Er war so nett und freundlich und meine einzige Sorge war, dass ich jedes Mal wenn er da war Aggressionen bekam. Ich fühlte mich richtig schuldig, denn er war doch so nett!

Tja kurze Zeit später passierte es. Ich war auf dem Markt und meine Tochter war mit ihrem jüngeren Bruder Zuhause geblieben. Meine Tochter erzählte mir, dass Raul sie gestalkt hatte, er hatte versucht hineinzukommen – sie ließ ihn jedoch nicht hinein, da sie sein Verhalten seltsam fand – und er gestand ihr seine Liebe. Ich war entsetzt und stellte ihn mit meinem Mann zur Rede. Er leugnete alles. Doch wir glaubten unserer Tochter. Wir forschten weiter nach und sprachen mit vielen Menschen in der Stadt und jemand erzählte meinem Mann, dass Raul schon immer gerne mit Mädchen herumgelaufen war und erwähnte den Name von Shana. Ich kontaktierte sie in Kanada und sie stockte als ich ihr von Raul und seinem seltsamen Verhalten erzählte. Kurze Zeit später rief sie mich an und erzählte, dass er sie missbraucht hätte. Sie brach ihr Schweigen. Eine Lawine trat sich los und Raul wurde letztendlich zu 56 Jahren Gefängnis verurteilt.

Ich war sehr dankbar, dass meine Tochter mir alles erzählt hatte, bevor er sie missbrauchen konnte.

Und es kam viel in mir hoch. Ich war als Kind nicht sexuell missbraucht worden, ich kenne allerdings viele Frauen, denen das passiert ist.

Doch ich weiß, dass wir alle zu einem bestimmten Zeitpunkt unseres Lebens missbraucht worden sind. Das wir das zugelassen habe. Wenn ich das so schreibe: „Das wir das zugelassen haben“ möchte ich damit keine Schuldgefühle in dir hervorrufen. Ich möchte nur deutlich machen, dass wir die Verantwortung haben, und diesen Kreis auflösen und durchbrechen können – nur wir selbst. Wenn ich sage „Ich wurde missbraucht“ gebe ich den missbrauchenden Männern die Macht und mache mich selbst zum Opfer. Doch wenn ich es zugelassen habe, dann bin ich kein Opfer, sondern kann mich selbst davon lösen.

Ja, ich habe es auch zugelassen, ich habe mit Jungs rumgemacht, die ich nicht liebte, ich habe auch mit Männern geschlafen die ich nicht liebte. Ich habe auch mit meinem Mann in der Vergangenheit häufiger geschlafen, obwohl ich es nicht wollte. Warum? Weil ich Liebe gesucht habe und dachte ich bekomme sie, wenn ich tue, was Mann von mir erwartet. Und ich dachte, das ist der einzige Weg Liebe zu bekommen – im Außen.

Ich sprach damals auch lange mit Shana. Ich fragte sie, warum sie sich fünf Jahre missbrauchen ließ und es ihrer Mutter nicht sagte. Er hat auf jeden Fall manipuliert. Sie hatte aber auch Angst ihn zu verlieren. Er war ihr Vaterersatz und war „ansonsten“ lieb zu ihr. Sie hatte Angst auch ihre Mutter zu verlieren, wenn diese die Wahrheit wüsste. Sie ließ sich missbrauchen im Namen der Liebe. Sie wusste es nicht besser. Sie wusste nicht, wie wichtig es ist „Nein“ zu sagen! Uns selbst zu lieben! Was wir nur können, wenn wir auf unsere Bedürfnisse hören, auf unser Inneres! Wenn wir klar zu uns stehen und dieses „Nein“ auch manchmal herausschreien!

Wenn wir lernen, dass wir diese Liebe nicht im Außen finden, sie ist bereits in uns. Anerkennung der anderen ist keine Liebe und ist nur kurz. Wenn wir anderen immer nur alles recht machen wollen, schränken wir uns selbst ein, unsere Kraft, wir verkümmern dann innerlich.

Wir Frauen haben das in den letzten tausenden von Jahren so „gelernt“. Wir haben unsere eigene weibliche Kraft unterdrückt. Wir können die Männer nicht ändern und es hilft auch nicht, wenn wir sie als die „Bösen“ sehen.
Wir können nur uns selbst ändern! Indem wir unsere Kraft wieder annehmen. Uns selbst wieder annehmen. Und den Schmerz von Jahrtausenden entlassen.

Uns nicht mehr kritisieren für das was und wer wir sind. Unsere Intuition, unser Gefühl unterdrücken, uns selbst heruntermachen, Schuldgefühle haben, weil wir Nein sagen…. Angst haben nicht geliebt zu sein, wenn wir dies oder jenes nicht tun……

Hören wir wieder auf unser Inneres, sind wir wieder wir selbst, leben wir unsere Kraft, unsere Wahrheit, unser Andersein, unseren Zyklus, unsere Launen…….

Nehmen wir uns an, wie wir sind. Indem wir fühlen! Zuerst einmal wieder mit unseren Gefühlen in Kontakt zu kommen, mit dem Schmerz und der Freude.

Wenn du lernen möchtest dich wieder selbst anzunehmen, dich zu fühlen und Schmerz aufzulösen lade ich dich herzlich ein, bei den nächsten beiden live Kakaofeuerzeremonien dabei zu sein:

Am 29.10. um 15.00 Uhr bei Soest.
Am 30.10. um 15.00 Uhr in Stemwede.

Alles Liebe,

deine Alicia.

Anmeldungen per Email an alicia@kusumitra.de